Andreas Harder

Wie viel Eigenkapital brauchst du wirklich für deine Kapitalanlage in Hamburg?

Inhaltsverzeichnis

Du willst in Hamburg eine Immobilie als Kapitalanlage kaufen — und fragst dich, wie viel Eigenkapital du dafür brauchst. Die kurze Antwort: Weniger als du wahrscheinlich denkst. Die längere Antwort: Es kommt darauf an, was du optimieren willst — und wie du die richtigen Hebel nutzt.

Was Banken bei Kapitalanlagen wirklich prüfen — und warum die „20-%-Regel“ oft nicht stimmt

„Bring 20 bis 30 Prozent Eigenkapital mit.“ Diesen Satz hörst du überall — von Bankberatern, auf Finanzportalen, von gut meinenden Bekannten. Das Problem: Er ist pauschal, und bei Kapitalanlagen trifft er oft schlicht nicht zu.

Banken prüfen bei einer Kapitalanlage-Finanzierung kein starres Eigenkapital-Verhältnis. Sie bewerten das Gesamtrisiko des Vorhabens. Das bedeutet konkret:

  • Deine Bonität: Schufa, Einkommenssituation, bestehende Verbindlichkeiten
  • Das Objekt: Lage, Zustand, Vermietbarkeit, Baujahr
  • Die Mieteinnahmen: Werden sie bei der Haushaltsrechnung angerechnet — und zu welchem Anteil?
  • Dein Puffer: Hast du nach der Finanzierung noch liquide Reserven?

Wer in einer guten Hamburger Lage kauft, solide verdient und eine sauber vermietete Wohnung finanziert, kann unter Umständen mit deutlich weniger Eigenkapital einsteigen als die 20-%-Faustregel suggeriert. Wer dagegen eine schwierig vermietbare Immobilie in einer B-Lage finanzieren will, wird auch mit 30 % Eigenkapital auf Widerstand stoßen.

Was zählt als Eigenkapital?

Eigenkapital ist nicht nur Bargeld auf dem Konto. Banken akzeptieren in der Regel auch:

  • Guthaben auf Tagesgeld- oder Festgeldkonten
  • Wertpapierdepôts (je nach Volatilität mit Abschlag)
  • Bestehende Immobilien als zusätzliche Sicherheit
  • Rückkaufswerte aus Lebens- oder Rentenversicherungen

Was nicht zählt: Geld, das du erst noch aufnehmen musst. Geliehenes Eigenkapital — etwa ein Privatdarlehen von der Familie — erkennen die meisten Banken nicht an.

Vollfinanzierung bei Kapitalanlagen: Wann sie funktioniert — und wann nicht

Eine 100-%-Finanzierung bedeutet: Die Bank finanziert den gesamten Kaufpreis. Die Kaufnebenkosten bringst du aus eigener Tasche — dazu gleich mehr. Das ist bei Kapitalanlagen in Hamburg grundsätzlich möglich — aber an klare Bedingungen geknüpft.

Wann Banken mitspielen

Eine Vollfinanzierung des Kaufpreises funktioniert dann, wenn das Gesamtbild stimmt. Das bedeutet in der Praxis:

  • Gutes, stabiles Einkommen — am besten aus einem unbefristeten Anstellungsverhältnis oder als Selbständiger mit mehreren Jahren nachgewiesener Einnahmen
  • Saubere Bonität — keine negativen Schufa-Einträge, keine laufenden Pfändungen
  • Werthaltiges Objekt in einer nachgefragten Hamburger Lage — Banken sichern sich über den Beleihungswert ab; je besser die Lage, desto mehr Spielraum haben sie
  • Vermietetes oder gut vermietbares Objekt — Mieteinnahmen reduzieren die monatliche Eigenbelastung und verbessern die Haushaltsrechnung

Woran sie scheitert

Nicht jede Konstellation lässt eine Vollfinanzierung zu. Typische Ablehnungsgründe in der Praxis:

  • Zu hohe Gesamtbelastung im Verhältnis zum Einkommen
  • Objekt in einer Lage mit eingeschränkter Vermietbarkeit
  • Keine oder nur geringe liquide Reserven nach dem Kauf
  • Bereits mehrere laufende Finanzierungen ohne ausreichend Puffer

Wichtig: Welche Bank unter welchen Bedingungen eine Vollfinanzierung darstellt, ist sehr unterschiedlich. Genau hier macht der Vergleich über einen unabhängigen Berater den Unterschied — denn nicht jede Bank hat dieselbe Risikobereitschaft.

Kaufnebenkosten Hamburg: Der Teil, der immer aus eigener Tasche kommt

Auch wenn der Kaufpreis vollfinanziert wird — die Kaufnebenkosten musst du in aller Regel aus Eigenkapital bestreiten. In Hamburg summieren sie sich auf rund 10 bis 12 % des Kaufpreises:

KostenpositionAnteil
Grunderwerbsteuer Hamburg5,5 %
Notar und Grundbuchca. 1,5–2,0 %
Maklerprovision (falls fällig)ca. 3,57 %
Gesamtca. 10–11 %

Bei einer Wohnung für 320.000 € bedeutet das: Du brauchst mindestens 32.000 bis 35.000 € an Eigenkapital — allein für die Nebenkosten. Den Kaufpreis selbst kann die Bank komplett übernehmen.

Nebenkosten über ein Nachrangdarlehen finanzieren

Wer seine Eigenkapitalquote noch weiter reduzieren und den Leverage-Effekt maximieren will, hat bei sehr guter Bonität eine weitere Option: ein Nachrangdarlehen zur Finanzierung der Kaufnebenkosten. Dabei wird das erstrangige Bankdarlehen um ein nachrangig besichertes Darlehen ergänzt, das die Nebenkosten abdeckt.

Das ist kein Standardweg — und setzt eine wirklich saubere Gesamtstruktur voraus. Aber es ist möglich, und es kann für Investoren sinnvoll sein, die ihr verfügbares Kapital lieber in weiteren Objekten einsetzen wollen, als es als Nebenkosten zu „verbrauchen“. Lass das im Einzelfall durchrechnen — die Zinsdifferenz und die Gesamtbelastung müssen das rechtfertigen.

Der Hebel-Effekt: Warum viele Kapitalanleger bewusst wenig Eigenkapital einsetzen

Jetzt kommt der Teil, den viele Ratgeber weglassen — und der für Kapitalanleger der eigentlich entscheidende Punkt ist.

Weniger Eigenkapital bedeutet höhere Eigenkapitalrendite. Das klingt zunächst kontraintuitiv, ist aber mathematisch klar: Wer 35.000 € einsetzt und eine Immobilie im Wert von 320.000 € erwirbt, hebelt sein eingesetztes Kapital mit dem Faktor 9. Wertsteigerungen, Tilgung durch den Mieter und Steuervorteile wirken auf den vollen Kaufpreis — nicht nur auf das eingesetzte Eigenkapital.

Rechenbeispiel: 2-Zimmer-Wohnung in Hamburg-Wandsbek

Das Objekt: Bestandswohnung, 62 m², Kaufpreis 320.000 €, vollvermietet

Die Finanzierung:

PositionBetrag
Kaufpreis320.000 €
Eigenkapital (nur Nebenkosten)ca. 35.000 €
Darlehen320.000 €
Zinssatz4,9 % p.a.
Tilgung1,0 % p.a.
Monatliche Rateca. 1.573 €

Die Einnahmen- und Steuerseite:

PositionBetrag/Monat
Kaltmieteca. 1.050 €
Monatliche Rate− 1.573 €
Bewirtschaftungskosten (nicht umlagefähig)− 150 €
Eigenanteil vor Steuerca. − 673 €

Klingt erstmal nach einem Minusgeschäft. Ist es aber nicht — denn jetzt kommt der Steuerhebel.

Der Steuerhebel macht den Unterschied

Steuerliche Abzüge pro Jahr:

PositionBetrag
Schuldzinsen (4,9 % auf 320.000 €)− 15.680 €
AfA 2 % auf Gebäudeanteil (75 % = 240.000 €)− 4.800 €
Nicht umlagefähige Kosten− 1.800 €
Mieteinnahmen+ 12.600 €
Steuerlicher Verlust V+Vca. − 9.680 €

Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % ergibt das eine Steuerersparnis von rund 4.065 € pro Jahr — also ca. 339 € pro Monat.

Eigenanteil nach Steuer: ca. 334 € pro Monat — für eine Immobilie im Wert von 320.000 €, die ein Mieter für dich abbezahlt.

Und das ist die Standardrechnung mit 2 % AfA. Wer ein Restnutzungsdauer-Gutachten erstellen lässt, kann den AfA-Satz deutlich erhöhen und die Steuerersparnis nochmals spürbar verbessern — mehr dazu im Artikel Mehr Netto dank Vermietung: Lohnsteuermäßigungsantrag.

Für Neubauten gilt seit 2023 zudem eine erhöhte AfA von 3 % — und wer gezielt in Hamburger Neubauten investiert, kann zusätzlich die Sonderabschreibung nach § 7b EStG nutzen und im ersten Jahr bis zu 5 % des Kaufpreises steuerlich geltend machen. Wie das konkret funktioniert, erkläre ich im Artikel Sonderabschreibung §7b EStG: So holst du als Kapitalanleger in Hamburg bis zu 20 % mehr aus deiner Steuer.

Was der Mieter für dich leistet

Neben dem Steuerhebel leistet dein Mieter noch etwas anderes: Er tilgt das Darlehen mit. Bei 1 % Anfängstilgung auf 320.000 € sind das 3.200 € Tilgung im ersten Jahr — Vermögensaufbau, den du nicht selbst erarbeitet hast.

Häufige Fragen zum Eigenkapital bei Kapitalanlagen in Hamburg

Kann ich eine Kapitalanlage in Hamburg ohne Eigenkapital kaufen?

Vollständig ohne Eigenkapital — also inklusive Kaufnebenkosten — ist eine Finanzierung in der Praxis sehr selten und nur in Ausnahmefällen mit zusätzlichen Sicherheiten oder über ein Nachrangdarlehen darstellbar. Realistischer ist eine 100-%-Finanzierung des Kaufpreises, bei der du die Nebenkosten (ca. 10–12 % in Hamburg) aus Eigenkapital beibringst. Das sind bei einer 320.000-€-Wohnung rund 32.000–35.000 €.

Zählen Mieteinnahmen aus anderen Objekten als Eigenkapital?

Nein — Mieteinnahmen sind kein Eigenkapital. Sie fließen aber in die Haushaltsrechnung der Bank ein und verbessern damit deine Finanzierbarkeit. Je nach Bank werden sie zu 60 bis 80 % angerechnet. Das ist ein wichtiger Unterschied: Eigenkapital sichert die Bank ab — Mieteinnahmen verbessern deine monatliche Tragfähigkeit.

Ist mehr Eigenkapital bei einer Kapitalanlage immer besser?

Nicht unbedingt. Mehr Eigenkapital senkt zwar den Zinssatz und die monatliche Belastung — aber es senkt auch die Eigenkapitalrendite. Wer 100.000 € in eine Immobilie steckt, erzielt eine geringere prozentuale Rendite auf sein eingesetztes Kapital als jemand, der dasselbe Objekt mit 35.000 € Eigenkapital finanziert. Kapitalanleger denken deshalb nicht in absoluten Beträgen, sondern im Hebel. Die Frage ist nicht: „Wie viel Eigenkapital brauche ich?“ — sondern: „Wie viel Eigenkapital will ich einsetzen?“

Dein nächster Schritt

Eigenkapital ist bei der Kapitalanlage kein Selbstzweck — es ist ein Werkzeug. Und wie jedes Werkzeug entfaltet es seine Wirkung nur dann, wenn du weißt, wie du es richtig einsetzt.

Als unabhängiger Immobilienfinanzierungsberater aus Hamburg begleite ich seit über 15 Jahren Investoren dabei, ihre erste oder nächste Kapitalanlage optimal zu strukturieren — von der Eigenkapitalplanung über die Bankenstrategie bis zur steuerlichen Einordnung. Mehr zur Finanzierung deiner Kapitalanlage findest du unter Kapitalanlage finanzieren.

Du willst wissen, was in deiner Situation konkret möglich ist? Dann buch dir dein kostenloses Erstgespräch unter andreas-harder.de/termin-buchen — ich rechne das mit dir durch.

Über den Autor

Andreas Harder

Andreas Harder ist Experte für Bau- und Immobilienfinanzierung. Seit gut 15 Jahren hilft er Familien dabei, ihren Traum der eigenen Immobilie zu erfüllen und Immobilieninvestoren, den Bestand weiter aufzubauen.

Du Möchtest eine Immobilie Finanzieren?

Dann buche dir jetzte ein unverbindliche Erstegespräch, um deine individuellen Möglichkeiten für dein Vorhaben herauszufinden.

Mit Immobilien Vermögen aufbauen?

Ob erstes Rendite-Objekt oder Portfolio-Erweiterung: Wir finden Deine optimale Finanzierungsstrategie – bei über 500 Banken.

Jetzt mehr erfahren