Du überlegst, in eine vermietete Immobilie zu investieren — und stellst dir die Frage, ob Hamburg oder Lübeck der bessere Standort ist? Beide Städte liegen knapp 65 Kilometer auseinander, könnten als Investitionsstandorte aber kaum unterschiedlicher sein. In diesem Artikel bekommst du einen neutralen Vergleich der beiden Märkte — mit aktuellen Zahlen, einem konkreten Rechenbeispiel und einer Einordnung, worauf es bei deiner Entscheidung wirklich ankommt.
Hamburg und Lübeck im Überblick — zwei sehr unterschiedliche Märkte
Hamburg zählt mit rund 1,9 Millionen Einwohnern zu den sieben deutschen A-Standorten und gehört damit zu den teuersten und nachfragestärksten Immobilienmärkten Deutschlands. Lübeck dagegen ist mit rund 219.000 Einwohnern (Quelle: Hansestadt Lübeck, Stand 2023) ein klassischer B-Standort — mit UNESCO-Welterbe-Altstadt, Universität, Hafen und der Nähe zur Ostsee als wichtigen Standortfaktoren.
Für dich als Investor heißt das: In Hamburg bekommst du einen liquiden, internationalen Markt mit hoher Wiederverkäuflichkeit — dafür zu deutlich höheren Einstiegspreisen. In Lübeck zahlst du weniger pro Quadratmeter, hast aber einen kleineren Mieterpool und eine andere Marktdynamik.
Warum der Standort über deine Rendite entscheidet
Der Standort bestimmt, wie viel Eigenkapital du brauchst, wie schnell du vermietet bist, wie stabil deine Mieteinnahmen langfristig sind — und wie sich der Wert deiner Immobilie über 10 oder 20 Jahre entwickelt. Wer den Standort nur nach dem niedrigsten Kaufpreis aussucht, übersieht oft die langfristigen Effekte auf Cashflow und Wertsteigerung.
Kaufpreise und Mieten im direkten Vergleich
Werfen wir einen Blick auf die aktuellen Zahlen aus dem ersten Quartal 2026:
Hamburg:
- Eigentumswohnung Kaufpreis: ca. 6.000 bis 6.400 €/m² (Quelle: ImmoWelt Q1/2026, Engel & Völkers Q1/2026)
- Angebotsmiete bei Neuvermietung: 13,58 €/m² im Durchschnitt (Quelle: ImmoScout24 Q1/2026)
- Grunderwerbsteuer: 5,5 %
Lübeck:
- Eigentumswohnung Kaufpreis: ca. 4.100 bis 4.400 €/m² (Quelle: ImmoWelt April 2026, Engel & Völkers Q1/2026)
- Angebotsmiete bei Neuvermietung: ca. 12 bis 13 €/m² im Durchschnitt, im Neubau ab Baujahr 2021 sogar rund 18,88 €/m² (Quelle: Marktdaten Lübeck Q1/2026)
- Grunderwerbsteuer (Schleswig-Holstein): 6,5 %
Lübeck liegt also bei den Kaufpreisen rund 30 bis 35 Prozent unter dem Hamburger Niveau. Bei den Neuvermietungsmieten ist der Abstand deutlich kleiner — ein interessanter Aspekt für die Rendite.

Was sagen Kaufpreisfaktor und Bruttomietrendite?
Der Kaufpreisfaktor zeigt dir, wie viele Jahresmieten du für den Kauf zahlst — je niedriger, desto schneller refinanziert sich die Immobilie über die Mieteinnahmen. Die Bruttomietrendite ist die jährliche Kaltmiete im Verhältnis zum Kaufpreis. Beide Kennzahlen fallen in Lübeck strukturell günstiger aus als in Hamburg — das ist typisch für den Unterschied zwischen A- und B-Standorten.
Was Marktbeobachter zu beiden Standorten sagen
Hamburg wird im jährlichen Capital Immobilien-Kompass als eine der zehn deutschen Top-Metropolen detailliert analysiert. Der Standort zählt traditionell zu den nachfragestärksten und preisstabilsten Märkten Deutschlands — mit hoher internationaler Sichtbarkeit, starkem Bevölkerungswachstum und einem strukturellen Wohnungsmangel als Preisstütze.
Lübeck wird im Engel & Völkers Marktreport Lübeck als attraktiver B-Standort mit stabiler demographischer Entwicklung und überdurchschnittlichem Renditeniveau eingeordnet. Tourismus, Universität, Hafenwirtschaft und die Nähe zur Ostsee — vor allem über Travemünde — gelten als langfristige Stabilisatoren der Wohnungsnachfrage.
Vereinfacht gesagt: Hamburg bietet niedrigere Renditen bei höherer Preisstabilität und Wiederverkäuflichkeit. Lübeck bietet höhere Renditen bei kleinerem Marktvolumen und damit etwas anderer Risikostruktur.
Rechenbeispiel: 70 m²-Eigentumswohnung als Kapitalanlage
Schauen wir uns konkret an, wie eine Investition in beiden Städten aussehen kann. Wir nehmen jeweils ein typisches Renditeobjekt — also keine Top-Lage, sondern eine solide Mittellage, wie sie für Kapitalanleger interessant ist. Beide Beispiele kalkulieren wir mit einer Vollfinanzierung (100 %), einem Zinssatz von 4,5 % (typische Größenordnung für Vollfinanzierungen 2026) und einer Tilgung von 1 %.
Hamburg — 70 m²-Wohnung in mittlerer Lage (z. B. Wilhelmsburg, Billstedt, Harburg):
- Kaufpreis: 70 × 4.890 € = ca. 342.300 €
- Monatliche Kaltmiete: 70 × 13,58 € = 951 €
- Monatliche Rate (5,5 % Annuität): ca. 1.569 €
- Bruttomietrendite: ca. 3,33 %
- Kaufpreisfaktor: ca. 30
Lübeck — 70 m²-Wohnung in mittlerer Lage (z. B. Buntekuh, Moisling, St. Lorenz Nord):
- Kaufpreis: 70 × 3.000 € = ca. 210.000 €
- Monatliche Kaltmiete: 70 × 12,50 € = 875 €
- Monatliche Rate (5,5 % Annuität): ca. 963 €
- Bruttomietrendite: ca. 5,00 %
- Kaufpreisfaktor: ca. 20
Wichtig: Diese Werte sind Ausgangsgrößen vor Nebenkosten, Bewirtschaftungskosten und Steuern. Die monatliche Unterdeckung zwischen Miete und Rate musst du bei einer Vollfinanzierung aus eigener Liquidität tragen — der steuerliche Effekt durch Werbungskostenabzug und AfA kann das deutlich abfedern, ist aber individuell zu rechnen.
Worauf du bei der Standortwahl achten solltest
Welcher Standort für dich passt, hängt von mehreren Faktoren ab:
Anlageziel: Geht es dir primär um Cashflow (laufenden Überschuss aus der Vermietung), spricht das oft eher für einen B-Standort wie Lübeck. Geht es dir um Wertsteigerung und Sicherheit, hat ein A-Standort wie Hamburg traditionell die Nase vorn.
Eigenkapital und Risikoneigung: Vollfinanzierungen sind in beiden Städten möglich, erfordern aber eine solide Bonität und einen klaren Plan für die Liquidität. In Hamburg ist der absolute Kapitaleinsatz höher, in Lübeck musst du den kleineren Mietmarkt stärker im Blick haben.
Verwaltungsaufwand und Marktkenntnis: In Hamburg gibt es einen hochkompetitiven Mietmarkt — gute Lagen sind schnell vermietet. In Lübeck ist lokale Marktkenntnis entscheidend, weil die Mikrolagen sehr unterschiedlich performen — die Innenstadt und Travemünde liegen deutlich über Stadtteilen wie Moisling oder Schlutup.
Finanzierungsstrategie: Die richtige Finanzierung ist mindestens so wichtig wie der richtige Standort. Hier kommt es auf das Zusammenspiel von Tilgung, Zinsbindung, Eigenkapitaleinsatz und steuerlicher Optimierung an. Andreas Harder berät seit 15 Jahren als unabhängiger Immobilienfinanzierungsberater Eigennutzer und Kapitalanleger an beiden Standorten — in Hamburg und in Lübeck.
FAQ — Häufige Fragen zur Kapitalanlage in Hamburg oder Lübeck
Ist eine Immobilie in Lübeck günstiger als in Hamburg?
Ja, deutlich. Im ersten Quartal 2026 liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen in Lübeck bei rund 4.100 bis 4.400 €, in Hamburg bei rund 6.000 bis 6.400 € (Quelle: ImmoWelt, Engel & Völkers Q1/2026). Das bedeutet einen Preisunterschied von etwa 30 bis 35 Prozent. Zu beachten ist, dass die Grunderwerbsteuer in Schleswig-Holstein bei 6,5 % liegt, in Hamburg bei 5,5 %.
Welche Mietrendite ist bei einer Eigentumswohnung in Hamburg und Lübeck realistisch?
Bei einer durchschnittlichen Eigentumswohnung liegt die Bruttomietrendite in Hamburg typischerweise zwischen 2,5 und 3,3 %, in Lübeck zwischen 4,0 und 5,0 % — je nach Lage, Objektzustand und erzielter Neuvermietungsmiete. Die tatsächliche Nettorendite hängt zusätzlich von Bewirtschaftungskosten, Steuerstatus und Finanzierungsstruktur ab.
Welcher Standort eignet sich besser für Erstinvestoren — Hamburg oder Lübeck?
Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Hamburg bietet mehr Liquidität, hohe Wiederverkäuflichkeit und langfristige Wertstabilität — bei höherem Kapitaleinsatz und niedrigerer laufender Rendite. Lübeck bietet einen leichteren Einstieg über den absoluten Kaufpreis und höhere Bruttomietrenditen — dafür einen kleineren Markt und stärkere Lageunterschiede. Die richtige Wahl hängt von deinem Anlageziel, deinem Eigenkapital und deiner Risikoneigung ab.
Dein nächster Schritt
Eine Kapitalanlage in Hamburg oder Lübeck ist eine Entscheidung über Jahrzehnte — und sie steht und fällt mit der passenden Finanzierungsstrategie. Andreas Harder begleitet dich als unabhängiger Immobilienfinanzierungsberater mit 15 Jahren Erfahrung durch den gesamten Prozess: von der ersten Standort- und Objektanalyse über die Finanzierungsstruktur bis zur passenden Bank.
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